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#13 Asset – was ist das?

Die wichtigsten Entscheidungen beim Vermögensaufbau sind die Auswahl der Asset-Klassen und deren Gewichtung. Statistisch wirkt sich dies am stärksten auf die Rendite, das Risiko und die Liquidität eines Vermögens aus. Und nicht – wie viele Anleger:innen annehmen – auf die Auswahl der in den Asset-Klassen enthaltenen konkreten Wertpapiere.

Bisher nur Bahnhof? Kein Problem. Deswegen widmen wir uns den Asset-Klassen, auch einfach Assets genannt. Und die Einzahl davon ist ein Asset. Wörtlich können wir das mit Vermögensgegenstand oder Anlage übersetzen. Bei den Asset-Klassen geht es also um Kategorien, die sich in diversen Merkmalen unterscheiden bzw. ähneln. Die Merkmale haben wir im Beitrag zum Anlage-Dreieck bereits kennengelernt: Rendite, Sicherheit (bzw. Risiko) sowie Liquidität. Weiter kommen noch ökonomische Ursache-Wirkung-Zusammenhänge dazu, welche wir teilweise streifen.

Die nachfolgende Tabelle dient als Übersicht. Je nach Quelle können die Einteilungen und Bezeichnungen der Asset-Klassen auch variieren. Die Auswahl der Sub-Asset-Klassen sind eher Beispiele, denn dort sind unzählige Klassierungen und Finanzprodukte denkbar. Warum hilft uns diese Unterteilung? Davon später mehr. Gewinne erstmals einen Überblick:

Bei der Betrachtung auf dem Handy empfehlen wir für die Tabellendarstellung das Querformat.

Asset-KlassenSub-Asset-KlassenBemerkungen
«Risikofreie Anlagen»> Bargeld
> Sparkonto
> Festgeld
> Staatsanleihen bis 18 Monate Laufzeit in eigener Währung
Innerhalb der Kiterien des Einlegerschutzes ist Bankguthaben in eigener Währung risikofrei. Kurzlaufende Staatsanleihen ebenso, da eine Zahlungsunfähigkeit der Schweiz fast undenkbar ist.
Anleihen
(auch: Obligationen, Renten, Public Debt)
> Staatsanleihen ab 18 Monate Laufzeit, auch in Fremdwährung
> Unternehmensanleihen
> Hochzinsanleihen etc.
Die wichtigsten Merkmale sind die Bonität der Schuldner (Land oder Unternehmung), die Währung und die Laufzeit.
Darlehen, Kredite
(auch: Private Debt)
> Privatdarlehen
> Peer-to-Peer Kredite
> Crowd-Lending
Wie Anleihen, aber oft persönlichere Beziehung zu Schuldner:in, höheres Risiko und weniger liquide als die Anleihen-Klasse.
Aktien
(auch: Public Equity)
> Large-Cap Aktien
> Mid-Cap Aktien
> Small-Cap Aktien
> Schwellenländeraktien
> Technologieaktien
> Immobilienaktien etc.
Es gibt unzählige Merkmale, nach welchen Aktien kategorisiert werden können. Die Grösse der Unternehmung ist eines, Risikofaktoren (bspw. politisches Risiko) oder Währungsrisiken sind Weitere.
Beteiligungen
(auch: Private Equity)
> Direktbeteiligung an Startup oder KMU (AG oder GmbH)
> Crowd-Founding
> PE Fonds
Wie Aktien, aber oft persönlichere Beziehung, höheres Risiko und weniger liquide als die Aktien-Klasse.
Devisen
(auch: Fremdwährungen, FX)
Bargeld, Konti etc. in fremder WährungBei sämtlichen Assets sind Währungsrisiken ein Thema. Explizit Fremdwährungen zu halten oder zu handeln bringen statistisch mehr Risiko als Rendite.
Immobilien> Wohnimmobilie
> Gewerbeimmobilie
> Immobilien-Fonds etc.
Merkmale zur Kategorisierung sind zudem die Lage, In- oder Ausland des Standorts, Branche der Nutzung etc.
Rohstoffe
(auch: Commodities)
> Öl
> Erdgas
> Basismetalle
> Agragüter etc.
> Gold
(und andere Edelmetalle)
Direkte Investments für Privatanleger (ausser Edelmetalle) sind praktisch unmöglich – rein wegen der Logistik und Lagerung. Deshalb wird oft auf Terminkontrakte (Futures) zurückgegriffen, was vertieftes Wissen benötigt.
Derivate> Call-Optionen
> Put-Optionen
> CFDs
> Hedgefonds etc.
Neben den Futures bei Rohstoffen, sind allgemein Derivate kaum für Privatanleger geeignet. Derivate können für viele Assets ge- oder verkauft werden und haben spezifische Rendite-Risiko-Eigenschaften.
Sachwerte> Kunstgegenstände
> Antiquitäten
> Oldtimer
> Sammlerweine etc.
Diese Klasse ist Spezialisten:Spezialistinnen vorbehalten. Denn es existieren kaum historische statistische Daten, es ist viel Fachwissen notwendig und ein illiquider Markt. Oft nur für sehr vermögende Personen eine wirkliche Investition.
Digitale Assets> Bitcoin
> Kryptowährungen
> NFTs etc.
Eine neue Klasse, welche sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Die Statistik ist kurz, der Nutzen oft noch unklar, was eine fundamentale Bewertung sehr erschwert.
HumankapitalBeitrag dazu: Link.Humankapital wird oft nicht als Asset-Klasse wahrgenommen, ist jedoch für Personen unter 50 Jahren oft der wichtigste Vermögenswert überhaupt.
Asset-KlasseSub-Asset-KlassenBemerkungen

Diese erste Übersicht, dient uns bei der Reise in die Welt des Investierens. Eine zentrale Erkenntnis ist, dass Investieren nicht einfach bedeutet Aktien zu kaufen. Es gibt zahlreiche Kategorien des Investierens. Wir können uns also für einige Kategorien entscheiden und unser Vermögen im Hinblick auf Rendite, Risiko und Liquidität so aufstellen, dass es für uns stimmt. Dazu mehr in den Beiträgen #101 und #102.

Emotionsecke

Langsam bekommen wir ein Gefühl dafür, was Vermögenswerte sind. Es sind Anteile an Sachen, die für die Gegenpartei einen Wert hat und für Dritt-Personen einen Wert hat. Das ist so gemeint: Wenn wir einer Unternehmung Geld zur Verfügung stellen wollen, dann können wir ihnen eine Anleihe abkaufen. Wir gewähren ihnen also sozusagen ein Darlehen. Für dieses Fremdkapital erhalten wir Zinsen. Mit unserem Geld kann die Unternehmung Wert schaffen, indem sie bspw. eine neue Maschine kauft und einfacher produzieren kann. Die regelmässigen Zinszahlungen sind auch für andere Personen wertvoll, weshalb wir die Anleihe an der Börse auch jederzeit weiterverkaufen können. Wir befinden uns in einer Win-Win-Win-Situation. Selbstverständlich ist sich jede:r selbst am nächsten und wir müssen stets auf der Hut sein, damit es nicht zu einer Win-Loose-Situation wird. Warum wir dieses Beispiel in der Emotionsecke aufgreifen?

Weil es Menschen gibt, die «Geld verdienen an den Kapitalmärkten» als etwas beschämendes wahrnehmen. Das ist oft davon geprägt, dass viele dazu erzogen wurden, dass nur die persönliche Zeit einen Wert hat. Also Arbeit durch Anwesenheit und im Tausch gegen Lebenszeit. Dass aber psychologische Arbeit – «ich riskiere mein Kapital und fühle mich gut dabei» – ebenfalls eine Wertschöpfung ist, das sind sich diese Menschen oft nicht bewusst. Davon haben wir im Beitrag zu den Einkommensquellen Beispiele gesehen. Wenn wir also vom Zinseszinseffekt profitieren möchten, sollten wir uns Gedanken machen, wie wir dem Investieren gegenüber ein positives Mindset erhalten. Weil: Es ist wertvoll, das eigene hart verdiente Geld jemandem zur Verfügung zu stellen, der:die einen Mehrwert damit generieren kann!

Kurzgefasst
Es gibt neben dem Sparkonto und Aktien noch ganz viele andere Möglichkeiten, sein eigenes Geld arbeiten zu lassen. Jede Asset-Klasse hat eigene Rendite/Risiko/Liquiditäts-Merkmale, ist entweder Fremd- oder Eigenkapital für die Gegenpartei und in unzählige Sub-Asset-Klassen unterteilt. Diese Merkmale wirken sich unterschiedlich auf den Zinseszinseffekt aus und dienen so dem Investieren und dadurch dem Vermögensaufbau.

Quellen: Souverän investieren mit Indexfonds & ETFs, Plötzlich Geld – so legen Sie richtig an


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