#1 Verbindlichkeiten vs. Vermögenswerte

Ist mein eigenes Einfamilienhaus mein grösster Vermögenswert? Oder doch eine Verbindlichkeit? Wie sieht es mit meinem Auto und meinem Motorrad aus?

Im Privatvermögen beziehen sich Vermögenswerte auf alle Dinge, die einer Person gehören und einen monetären Wert haben, wie zum Beispiel Bargeld, Aktien, Immobilien oder Schmuck. Weitere Anhaltspunkte für Vermögenswert sind, dass sie verkauft werden können (Liquidität), dass sie nicht zwingend an Wert verlieren (Sicherheit) und dass sie grundsätzlich dem Vermögensaufbau dienen (Rendite).

Verbindlichkeiten im Privatvermögen umfassen hingegen alle finanziellen Verpflichtungen, die eine Person gegenüber Dritten hat, wie zum Beispiel Kredite, Hypotheken, Kreditkartenschulden oder Steuern.

In jedem Fall ist es wichtig, Vermögenswerte und Verbindlichkeiten klar voneinander zu trennen. Wenn nun alle Verbindlichkeiten vom Vermögen abgezogen werden, erkennen wir den Nettowert einer Person oder das Reinvermögen (auch Nettovermögen oder englisch net worth). Um unsere Finanzen und unsere Investitionstätigkeit zu planen, ist es wichtig, den eigenen net worth zu kennen.

Vermögenswerte

Beginnen wir, darüber nachzudenken, welche Vermögenswerte wir besitzen. Nachfolgend einige Beispiele dazu:

Welcher Kategorie gehören nun mein Auto, mein Motorrad und mein selbstbewohntes Haus an?

Diese Frage ist umstritten. Einerseits haben alle drei einen monetären Wert, was für einen Vermögenswert spricht. Andererseits entstehen finanzielle Verpflichtungen (Reparaturen, Erneuerungen, Steuern etc.), was für eine Verbindlichkeit spricht. Eine hilfreiche Frage zur Kategorisierung: Ist es möglich, dass der Gegenstand in 5 Jahren mehr Wert hat als heute? Erhalte ich jährlich etwas dafür, dass ich den Gegenstand habe (positiver Cashflow)?

Die Antwort kann nun also lauten: Motorrad und Auto sind Verbindlichkeiten, ausser es handelt sich um auserwählte Oldtimer, die jedes Jahr wertvoller werden. Beim Eigenheim wird es kompliziert.

Long story short: Jein. Long story long: Eigentlich ist eine selbstbewohnte Immobilie kein Vermögenswert, da ein grosser Teil vom eigenen Vermögen blockiert ist und somit hohe Opportunitätskosten entstehen (anstelle von CHF 200’000.- Eigenmittel fürs Haus, könnte dieser Betrag in breit diversifizierten Aktienfonds rund CHF 14’000.- Rendite pro Jahr generieren) und zudem jeden Monat Kosten verursacht und Kostenrisiken für Unvorhergesehenes bestehen. Andererseits kann es sein, dass die Immobilie in einiger Zeit mehr Wert hanben würde. Dies oftmals inbesondere wegen den steigenden Grundstückpreisen sowie der guten Lage und nicht, wegen des Gebäudes an sich. Weil eine potenzielle Wertsteigerung vorliegt, bleibt es also beim JEIN.

Verbindlichkeiten

Schreiben wir nun Beispiele für Verbindlichkeiten auf, die an uns lasten:

Das Vermögen minus die Verbindlichkeiten ergeben nun unser Reinvermögen (net worth) oder unsere Schulden. Wenn wir von Monat zu Monat oder von Jahr zu Jahr unser Reinvermögen betrachten und dies stetig etwas grösser wird, dann sind wir auf einem guten Weg. Falls es gleich bleibt oder das Reinvermögen gar kleiner wird, sollten wir beginnen Verbindlichkeiten zu eliminieren und Vermögenswerte zu kaufen, falls wir Vermögen aufbauen möchten.

Emotionsecke

Gratulation! Der erste Schritt in Richtung Vermögen haben wir geschafft! Wie fühlt es sich an, einen so langen Text über Geld zu lesen? Fühle es sich bitter an, fühlen Sie sich frustriert, enttäuscht oder gar machtlos und besorgt? Es kann auch eine Verzweiflung oder eine Verletzlichkeit hervorrufen, die einem bisher nicht bewusst war.

Geld ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Es ist das Transfermittel von Energie über die Zeit hinweg. Wie ist das gemeint? Ein Gedankenexperiment: Heute arbeiten Sie eine Stunde und geben Ihre Energie dafür aus. Sie erhalten CHF 30.- dafür. Nun können Sie diese gespeicherte Energie zu einem späteren Zeitpunkt verwenden, indem Sie einer Person CHF 30.- geben, die bereit ist für Sie eine Stunde zu arbeiten. In dieser Stunde haben Sie also doppelte Energie. Ihre eigene plus diejenige der Person, die für Sie eine Stunde arbeitet.

Die Kunst im Umgang mit Geld ist es, diese Mechanik zu kennen und für sich zu nutzen. Indem Sie nicht Verbindlichkeiten und Gegenstände kaufen, die Ihnen kurzfristig Freude bereiten, sondern Vermögenswerte, die an Wert zugewinnen. Dafür ist es wichtig, dass keine negativen Emotionen mit Geld verbunden sind. Sie dürfen stolz sein, auf jeden Franken den Sie in ihr Vermögen packen. Sie dürfen sich erfolgreich, respektiert und mutig fühlen, wenn Sie sich mit Geld auseinandersetzen. Arbeiten wir gemeinsam daran!

Praxis-Hack

Einige Fragen, die der Abgrenzung dienen können:

Kurzgefasst
Vermögenswerte sind Dinge, die wir besitzen können und einen Wert haben. Dieser Wert sollte im Verlauf der Zeit eher zunehmen. Ein Vermögenswert wird entweder wertvoller (bspw. Oldtimer, Grundstück etc.) und/oder erzielt regelmässig Einnahmen (bspw. Zinsen, Mieteinnahmen etc.).

Eine Verbindlichkeit hingegen verliert in der Tendenz an Wert (bspw. Auto durch Gebrauch) und verursacht Kosten (bspw. Steuern, Versicherungen etc.).

Den Unterschied zu kennen hilft dabei, bewusste Entscheidungen zu treffen. Der grösste Fehler für den Vermögensaufbau ist es, Verbindlichkeiten für Vermögenswerte zu halten!

Quellen: Rich Dad Poor Dad, Über die Psychologie des Geldes


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